Quecksilber (80Hg)
engl.:
griech.-lat.: |
mercury
hydrargyrum |
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relat. Atommasse:
Ordnungszahl:
Schmelzpunkt:
Siedepunkt:
Oxidationszahlen:
Dichte:
Härte (Mohs):
Elektronegativität:
Atomradius:
Elektronenkonfig.:
natürl. Häufigkeit:
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200,59
80
-38,89 °C
356,58 °C
2, 1
13,546 g/cm³
2 (Pauling)
151 pm
[Xe]4f145d106s2
Hg-196 0,15%
Hg-198 9,97%
Hg-199 16,87%
Hg-200 23,10%
Hg-201 13,18%
Hg-202 29,86%
Hg-204 6,87% |
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Eigenschaften:
Quecksilber ist ein silberweiß glänzendes, bei
Zimmertemperatur flüssiges Schwermetall. Es dehnt sich
beim Erwärmen ungewöhnlich stark aus und besitzt
eine große Oberflächenspannung. Es bildet leicht
Tröpfchen und benetzt andere Substanzen nicht. Schon
bei Zimmertemperatur verdampfen aufgrund seines hohen Dampfdruckes
immer geringe Mengen an Quecksilber. Der Quecksilberdampf
sendet beim Anlegen einer Hochspannung intensives UV-Licht
aus. Die thermische und die elektrische Leitfähigkeit
von flüssigem Quecksilber sind nicht besonders gut. Bei
-38.89°C erstarrt es zu einem festen Metall, das sehr
weich und gut dehnbar ist. |
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Reines Quecksilber ist an der Luft beständig
und überzieht sich nur langsam mit einer dünnen
Oxidschicht. Beim Erhitzen reagiert es oberhalb von 300 °C
zu Quecksilber(II)-oxid, das bei weiterer Zunahme der Temperatur
wieder in Quecksilber und Sauerstoff zerfällt:
ab 300 °C: 2 Hg + O2 -----> 2 HgO ?HR = -182 kJ/mol
ab 450 °C: 2 HgO -----> 2 Hg + O2
Quecksilber wird von Wasser, Salzsäure und verdünnter
Schwefelsäure nicht angegriffen. Konzentrierte Schwefelsäure,
Salpetersäure oder Königswasser zersetzen das Schwermetall
und bilden die entsprechenden Salze. Mit Salpetersäure
bildet sich Quecksilber(II)-nitrat und Stickstoffoxid:
3 Hg + 8 HNO3 -----> 3 Hg(NO3)2 + 2 NO + 4 H2O
Quecksilber ist ein relativ edles Metall, es steht in der
Spannungsreihe zwischen Silber und Palladium, es ist edler
als Kupfer und Silber. Aus diesem Grunde fällen alle
unedleren Metalle Quecksilber aus den Quecksilbersalzlösungen
aus. Taucht man ein Kupferblech in eine Quecksilber(II)-chloridlösung,
scheidet sich ein silbrig glänzender Quecksilberspiegel
auf dem Kupferblech ab:
Cu + HgCl2 -----> Hg + CuCl2
Mit Chlor reagiert Quecksilber zu Quecksilber(II)-chlorid
und mit Schwefel zu Quecksilber(II)-sulfid, das in der Natur
als Zinnobererz vorkommt:
Hg + Cl2 -----> HgCl2 ?HR = -224 kJ/mol
Hg + S -----> HgS ?HR = -58 kJ/mol
Mit anderen Metallen vermischt bilden sich Quecksilberlegierungen,
sogenannte Amalgame, die sowohl in einer flüssigen als
auch in einer festen oder teigigen Zustandform vorkommen können. |
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Wirkung von Quecksilber und seinen Salzen auf den menschlichen
Körper:
Problematisch für den Menschen sind vor allem die schon
bei Zimmertemperatur entstehenden Quecksilberdämpfe,
die extrem giftig sind. Gefährlich ist auch die Aufnahme
von Quecksilber und Quecksilbersalzen über das Trinkwasser
oder die Nahrung. Akute Vergiftungen äußern sich
durch Kopfschmerzen, Schwindel, Zittern, Seh- und Hörstörungen,
Schleimhautentzündungen, Magen- und Darmkoliken, Metallgeschmack
im Mund, blutiger Durchfall, Erbrechen, Nierenversagen, Blutdruckabfall
und Kreislaufzusammenbruch. Tödlich wirkt eine Dosis
von ca. 150-300mg Quecksilber. Seine Giftwirkung beruht auf
der Blockierung von lebenswichtigen Enzymen, wodurch die Körperzellen
massiv geschädigt werden. Am meisten gefährdet sind
die Nieren- und Nervenzellen. Als erste Hilfe gegen akute
Quecksilbervergiftungen sollten Brechmittel verabreicht und
Magenspülungen durchgeführt werden.
Problematischer und viel häufiger sind jedoch chronische
Vergiftungen bei der dauerhaften Aufnahme von kleinen Mengen
an Quecksilber. Zerbricht ein alter Fieberthermometer mit
Quecksilberfüllung, verteilen sich die kleinen Kügelchen
selbst in engste Ritzen und können von dort kaum noch
entfernt werden. Das Quecksilber verdampft über Jahre
hinweg und wird in kleinen Mengen regelmäßig eingeatmet.
Die chronischen Symptome äußern sich in Müdigkeit,
Kopf- und Gliederschmerzen, Entzündungen in der Mundschleimhaut
und am Zahnfleisch, Bildung von dunklen Säumen am Zahnfleisch,
Zittern, Gedächtnisschwäche und -zerfall und Störungen
im zentralen Nervensystem bis hin zum Tod. In den Jahren 1953-1969
kam es bei Bewohnern der Minimata-Bucht in Japan zu einer
Massenvergiftung bei den Anwohnern, weil sie über Jahre
hinweg mit Quecksilbersalzen vergiftete Fische gegessen hatten.
Als Verursacher wurden später die vergifteten Abwässer
einer Kunststofffabrik festgestellt. 121 Personen starben,
darunter 12 Kinder, und über 1200 Menschen erkrankten
schwer. Auch heute noch sind zahlreiche Fische der Speisekarte
mit Quecksilbersalzen angereichert, weil das Schwermetall
immer noch durch belastetes Baggergut oder durch Industrieabwässer
aus der Chloralkalielektrolyse in die Meere eingetragen wird.
Es reichert sich über die Nahrungskette in den Fischen
an. Am meisten gefährdet sind die letzten Verwerter der
Nahrungskette, die Raubfische und die Menschen. So weisen
z.B. Thunfische oder Kabeljau (Dorsch) besonders hohe Quecksilberkonzentrationen
auf.
In Verruf geraten sind auch die Amalgamfüllungen in den
Zähnen. Eine Studie der Universität Tübingen
aus dem Jahr 1996 belegte, dass mit der Zunahme der Zahl der
Amalgamfüllungen das Risiko einer Erkrankung ansteigt.
Von 18000 untersuchten Testpersonen überschritten 44%
den ADI-Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation von 43 Mikrogramm
(= 43 Millionstel Gramm) Quecksilber pro Tag. Das folgende
Diagramm zeigt, dass die Quecksilberkonzentration im Speichel
nach dem Kauen vor allem dann sehr viel höher ist, wenn
viele Amalgamfüllungen im Mund vorhanden sind: |
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Als Gegenmaßnahmen zur Verhinderung von chronischen
Vergiftungen werden empfohlen: • Alte Fieberthermometer
mit Quecksilberfüllung sollten unbedingt bei den Apotheken
abgegeben werden. • Zerbricht ein Fieberthermometer,
sind die Kügelchen sofort einzusammeln und in einem gut
verschlossenen Gefäß bei einer Apotheke
abzugeben. • Amalgamfüllungen in Zähnen
sind zu meiden, alte Füllungen sollten entfernt werden.
Auch wenn Goldfüllungen teurer sind, steht
dies in keinem Verhältnis zu den möglichen Risiken.
Der Austausch darf aber nicht vor oder während
einer Schwangerschaft stattfinden. • Der häufige
Verzehr von Raubfischen (Thunfisch, Kabeljau, Schwertfisch)
ist zu vermeiden.
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Vorkommen:
Quecksilber ist ein relativ seltenes Element, es steht in
der Elementhäufigkeit an 62. Stelle. In kleinen Mengen
ist das Element überall auf der Erde verteilt, z.B. im
Meerwasser oder in den Gasen von Vulkanen. Abbauwürdige
Erzvorkommen sind jedoch relativ selten. Das wichtigste Quecksilbererz
ist der Zinnober (Quecksilbersulfid, HgS). Eine wichtige Lagerstätte,
die seit der Antike bekannt ist, liegt bei Alamaden in Südspanien.
Auf dem Zinnobererz finden sich manchmal kleine Kügelchen
an elementarem Quecksilber. Andere Vorkommen liegen in Monte
Amiata/Toskana, in den GUS-Staaten, in China, in den USA,
Algerien, Mexiko, Brasilien, Peru, Tschechien, Rumänien
und in der Türkei. |
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Geschichtliches:
Quecksilber gehört zu den im Altertum bekannten Metallen.
Erste Erwähnungen lassen sich bis 4000 vor Christus zurückverfolgen.
Eine Gewinnung aus Zinnober wurde 315 vor Christus von Theophrast
beschrieben. Arabische Kalifen und Herrscher sollen es als
Attraktion in ihren Gärten zur Schau gestellt haben.
Amalgame benutzten bereits die Römer.
Zosimos von Panopolis war einer der ersten Alchemisten. Er
stammte aus Oberägypten und lebte im 3. und 4. Jahrhundert
nach Christus in Alexandria. Das Quecksilber beschrieb er
als "Körper und flüssiges Silber" aber
auch als flüchtigen Geist. Quecksilber verdampft beim
Erhitzen und reagiert mit Schwefel zu Zinnober (Quecksilbersulfid)
und mit Kochsalz zu Sublimat (Quecksilberchlorid). Diese Eigenschaften
wiesen dem Quecksilber Flüchtigkeit zu, sein Bestehen
als flüssiges Metall verkörperte das Prinzip der
Beständigkeit. Insofern verkörperte das Quecksilber
in der Alchemie das Prinzip eines "Zwitterstoffes"
und wurde dem Planeten Merkur zugeschrieben, wovon die Verwendung
des Merkursymbols zeugt. Die Alchemisten hielten das Quecksilber
(und den Zinnober) für eine Vorstufe des sogenannten
"Stein der Weisen". Darunter stellte man sich einen
magischen Stoff vor, welcher die Fähigkeit besaß,
aus wertlosen Metallen Gold herzustellen.
Im 16. Jahrhundert setzte Paracelsus Salben mit fein verteiltem
Quecksilber oder Quecksilberoxid zur Behandlung von Syphilis
ein. Auch die chinesische Medizin benutzte Quecksilberpräparate
in geringen Dosen gegen Schlaflosigkeit und zur geistigen
Beruhigung.
Der deutsche Name leitet sich vom althochdeutschen quecksilabar
ab, was so viel wie "lebendiges Silber" bedeutet.
Das Symbol für Quecksilber führte Berzelius im Jahre
1814 ein. |
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Herstellung:
Die Herstellung erfolgt durch das Erhitzen von Zinnobererz in Öfen
unter Luftstrom bei Temperaturen über 400°C. Das gasförmige
Quecksilber entweicht zusammen mit dem gleichzeitig entstehenden
Röstgas Schwefeldioxid:
HgS + O2 -----> Hg + SO2
Die Herstellung kann auch mit gebranntem Kalk:
4 HgS + 4 CaO -----> 4 Hg + 3 CaS + CaSO4
oder mit Eisenspänen erfolgen:
HgS + Fe -----> FeS + Hg
Die Quecksilberdämpfe werden in wassergekühlten Röhren
kondensiert und in eisernen Behältern gesammelt. Man erhält
relativ reines Quecksilber mit einem Reinheitsgrad von ca. 99,9%.
Schwermetallverunreinigungen lassen sich mit verdünnter Salpetersäure
entfernen. Im Labor reinigt man Quecksilber, indem man es durch
fein durchlöchertes Papier oder durch Leder fließen lässt.
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Verwendung:
Die Hauptmenge des gewonnenen, flüssigen Quecksilbers
dient bei der Chloralkalielektrolyse im Amalgamverfahren
als Kathodenmaterial (näheres siehe dort). Quecksilberdampflampen
bestehen aus einem luftdicht gepumpten Quarzrohr, das eine
geringen Menge eines Edelgases und etwas Quecksilber enthält.
Beim Anlegen einer Hochspannung entsteht zunächst ein
Lichtbogen im Edelgas und gleichzeitig Quecksilberdampf.
Hierbei findet eine Gasentladung über den Quecksilberdampf
statt, wobei vor allem UV-Licht ausgestrahlt wird. Die Lampen
finden in Straßenscheinwerfern, Solarien und UV-Lampen
(z.B. für die Mineralogie) Anwendung. Amalgame werden
zum Herauslösen von Gold und Silber aus edelmetallhaltigen
Sanden und für die Herstellung von Füllmaterial
für defekte Zähne verwendet. Quecksilber dient
auch zur Herstellung anderer Quecksilberverbindungen, z.B.
von Knallquecksilber (Quecksilberfulminat, Initialsprengstoff),
Quecksilber(II)-chlorid oder von Quecksilber(II)-oxid. Letzteres
dient zur Herstellung von Quecksilberbatterien. Die Verwendung
als Füllmaterial für Thermometer, Barometer oder
Blutdruckmesser wird heute aufgrund der Giftigkeit des Quecksilbers
nur noch im wissenschaftlichen Bereich eingesetzt, wenn
sehr genaue und standartisierte Messungen vorgenommen werden
sollen. Quecksilberspritzmittel auf der Basis von Quecksilber-organischen
Verbindungen sind in Deutschland seit 1980 verboten.
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